Trend: Kreativität “Made in China”


Verfasst von Philippe Souidi und Stephanie Werner am 27. February 2008 um 17:14 Uhr | In China, Events & Interviews, Lifestyle

df.jpgIn den vergangenen 20 Jahren entwickelte sich China zur Fabrik der Welt. Oftmals assoziierte man mit dem Label “Made in China” Billigkeit, geringe Quälität und einen Mangel an Orginalität. Kürzlich aber wurde China, dank der boomenden Ökonomie, politischen Deregulationen und der sozialen Entwicklung, Zeuge des graduellen Heranwachsens einer frei-denkenden Generation kreativer Individuuen, die aus dem System ausgebrochen sind, um sich auf tiefgründige und innovative Art und Weise auszudrücken.

Im Rahmen dieser Bewegung designen immer mehr chinesische Architekten, ermutigt durch den plötzlichen Eifer, der die chinesische Kunstszene gepackt hat, Gebäude, die allmählich die Identität der chinesischen Gebäudelandschaft prägen. Statt zu versuchen orientale Ästhetik mit westlichem Design zu verbinden, endecken führende Architekten raffiniertere und subtilere Wege die Architektur von heute mit ihrer Kultur zu verbinden.

An vorderster Front dieser Revolution stand Ma Yansong, eine junger, in den USA ausgebildeter Architekt, und sein in Beijing ansässiges Architekturbüro MAD - 2002 gründete. 2006 eroberte MAD die internationale Architekturszene im Sturm, als es als erstes chinesisches Design-Studio überhaupt einen internationalen Wettbewerb gewann - 2009 soll der “Absolute Tower” in Toronto/ Kanada fertiggestellt werden. Seit dem hat MAD Büros in Tokio und New York eröffnet sowie einige Gebäude in Europa, Südamerika wie auch in China gebaut.

Kürzlich erst endete “MAD IN CHINA”, eine Design-Ausstellung, die bis dahin in Kopenhagen im Danish Architecture Center (DAC) stattgefunden hatte. Nach der erflogreichen Show während der Bienniale Venedig 2006, die sich mit der Zukunft chinesischer Architektur befasste, war das nun die zweite Ausstellung von MAD in Europa. Ma schlägt eine gleitende Stadt, komplett mit Park und See, vor, die über Beijing schweben soll und die Aufforstung des “politschen Raums” um Tiananmen Square und die Verbotene Stadt herum.

Mit der internationalen Veröffentlichung des Buches MAD Dinner, einem innovativen Buch über chinesische Architektur, das in den nächsten Wochen erscheinen wird, beschreitet MAD wieder einmal neue Wege. Das Buch ist eine Sammlung an Ideen und Meinungen zu den verschiedensten Themen: von Politik über Ökologie und Ruhm bis hin zur Zukunft. Angeordnet sind diese im Rahmen einer Metapher für ein Tischgespräch. Die “Dinner-Gäste” stammen aus den verschiedenen sozialen Schichten. Ein Staatsbeamter, ein Friseur, ein migrierter Arbeiter, ein Arzt, ein Taxifahrer und ein Erfinder wurden an einen Tisch gebracht, um in einer Atmosphäre der Offenheit und des Wandels ihre Gedanken miteinander zu teilen.

“China ist sehr schnell gewachsen und muss sich nun verschiedenen Herausforderungen stellen. Das gibt China die Möglichkeit einzigartige Lösungen zu schaffen und für die Zukunft etwas gänzlich anderes zu tun. In China beschreiben wir die chinesische Tradition - die ältern Generationen verstehen diese Tradition eher symbolisch: Bambus, Innehöfe etc., aber unsere Auffassung ist, dass chinesische Tradition möglicherweise Phantasie ist. Ändert die alten Gewohnheiten! Ich glaube, es gibt für uns - die neue Generation - die Möglichkeit etwas neues und gewagtes zu tun,” äußerst sich Ma Yansong zum Thema Fortschritt.

Ma Yansongs Gebäude sind beides: gewagt und neu. Seine gekrümmten, haifischflossenartigen Hotelgebäude und Luxus-Appartments auf Sanya’s Phoenix Island sind Bestandteil des Fackellaufs zu den Olympischen Spielen 2008. Sein unverwechselbarer, außen wabenartiger Sinosteel-Wolkenkratzer in Tianjin (Bild rechts und oben), ist zwar noch eine Designstudie, wird aber Chinas erstes großes Staatsgebäude sein, das von einem chinesischen Architekten entworfen wurde. Die Fertigstellung ist für 2012 geplant.
Auch das riesige, außerirdisch wirkende Erdos Museum in der Inneren Mongolei, der leichte und luftige Denmark Pavilion und das schwebende, aus Glas bestehende Guangzhou Clubhouse verkörpern Mas idealistischen und bahnbrechenden Ansatz ein Design umzusetzen, das die Avantgarde der chinesichen Architektur darstellt.

Bilder: Daniel Allen (CScout) mit Genehmigung von MAD

Rate this post:
star star star star star   current rating: 4.0

keine Anmerkungen schon »

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar schreiben

Kommentare

XHTML: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>